Sie haben Probleme mit Rechtsextremismus, wollen präventiv dagegen vorgehen, möchten sich mit anderen Akteuren vernetzen oder sich einfach mal über das Thema informieren? Die Mobile Beratung NRW hilft Ihnen dabei - egal, ob Sie als Einzelperson Beratungsinteresse haben oder ob hinter Ihnen eine ganze Institution, Organisation oder ein Verein steht. Mehr erfahren...

"Kein Raum für Rechts" - Eine interaktive Webseite

Das Projekt „Kein Raum für Rechts“ gibt dir Einblick in eine Welt, die normalerweise im Verborgen bleibt: Das Zimmer eines jungen Neonazis. Wir haben 20 Qua­dratmeter mit echten Nazi-Fanartikeln eingerichtet: Hakenkreuzfahne, Rechts­rock-CDs, Klamotten, Fahnen, Buttons, Bücher... alles Originale. Denn die Gegen­stände, die du im Raum siehst, gab es so bei rechts­extremen Händlern zu kaufen. Wir haben sie für das Projekt zum Teil von Aus­steigern bekommen, die der Szene den Rücken gekehrt haben. Einiges haben uns antifaschistische Archive zur Verfügung gestellt, die sie zur Aufklärungs­arbeit einsetzen. Die Waffen im Zimmer sind natürlich nicht echt, aber Teil der Realität: Denn die Neo­nazi-Szene ist bewaffnet.

Um das Neonazi-Zimmer möglichst realitätsnah ein­zurichten, haben wir Infor­mationen über polizeiliche Hausdurch­suchungen bei Neonazis zusammengetragen. Wie sahen die Räume aus? Vorbild waren auch die Jugendzimmer des NSU-Terrornetzwerkes, die für rassistische Morde, Spreng­stoffanschläge und Überfälle verantwortlich sind. Wie lebten sie privat? 

Seit Jahren dokumentiert unser Team Neonazi-Demons­trationen; beobachtet gehei­me Treffen und spricht mit Neonazi-Aussteigern. Für das Projekt haben wir zudem ExpertInnen befragt, welche Kleidungsmarken heute bei Nationalisten beliebt sind. Daraus ist die interaktive und multi­mediale Internetseite: „Kein Raum für Rechts“ entstanden. Hier kannst du selbst Fragen zum Thema stellen, Fotos und Filme anschauen, in rechte Musik reinhören und weiterführ­ende Texte lesen.

Mit unserem interaktiven Projekt wollen wir die größte Zielgruppe der Neonazis an­sprechen: Junge Menschen. „Kein Raum für Rechts“ will über die Gefahren der extrem rechten Bewegung aufklären. Nur wer Neonazis erkennt, ihre Strukturen und Strate­gien durchblickt, kann auch etwas gegen sie tun. In diesem Sinne: Kein Raum für Rechts!

„Kein Raum für Rechts“ ist ein Projekt im Auftrag der Ar­beitsstelle Rechtsextremis­mus und Gewalt sowie des Zentrums demokratische Bildung. Redaktion und Recherche führte die renom­mierte Buchautorin und Journalistin Andrea Röpke. Für die Gestaltung und technische Umsetzung war die interaktiv-Agentur Kubik­foto Studios zuständig. Für die Foto- und Filmp­roduktion und Projektleitung war die Filmproduktionsfirma BAFF verantwortlich.

Webseite: http://www.kein-raum-fuer-rechts.de/

Zwei neue Handreichungen veröffentlicht:

„Wohlfahrt offen für alle?!“ und „Starke Gemeinschaft! Starke Werte?!“

Die Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln hat im Rahmen der Mobilen Beratung zwei neue Handreichungen für die Bereiche Wohlfahrt und Feuerwehr zur Auseinandersetzung mit Rassismus, Diskriminierung und der extremen Rechten veröffentlicht:

  • „Wohlfahrt offen für alle?!" Eine Handreichung zur Auseinandersetzung mit Rassismus, Diskriminierung und der extremen Rechten im Freiwilligendienst“
    Nähere Infos hier

  • „Starke Gemeinschaft! Starke Werte?!“ Eine Handreichung für Jugend- und Freiwillige Feuerwehr zur Auseinandersetzung mit der extremen Rechten und Rassismus“
    Nähere Infos hier

Die Handreichungen sind kostenfrei erhältlich und können unter This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. angefordert werden.

Laut(er) werden?

Rassismuskritische und migrationspädagogische Herausforderungen angesichts
gesellschaftlicher Gewaltverhältnisse

Tagung: 14./15. Oktober 2016, TU Dortmund

Spätestens seit dem Frühsommer 2015 steht die Bundesrepublik Deutschland vor gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen, die einerseits miteinander verzahnt sind, die andererseits aber auch unabhängig voneinander bestehen:

  • Die seit Jahren anhaltend hohe Zahl von Flüchtenden, die auf ihrem Weg nach Europa zu Tode kommen (Mittelmeer), stellt eine humanitäre Katastrophe dar, der die EU größtenteils mit Ignoranz begegnet ist. Die Rede vom „Grenzregime Europa" wurde zur bitteren Realität.
  • Die große Zahl an Geflüchteten und Asylsuchenden, die seit dem Frühsommer 2015 über dem Landweg nach Europa, vor allem nach Deutschland, kommen, stellt die EU und Deutschland vor enorme logistische, finanzielle und integrative Herausforderungen. Dabei zeigte sich im Sommer und Herbst 2015 die deutsche Gesellschaft mehrheitlich als eine offene und solidarische Gesellschaft.
  • Parallel dazu stieg jedoch die Anzahl der Angriffe auf Geflüchtetenunterkünfte und auf geflüchtete Personen rapide an. Die Hetze und die Attacken gegen die Ankommenden, aber auch gegen deren Unterstützer_innen, entsprechende Initiativen, die Mitarbeiter_innen der Flüchtlingssozialarbeit sowie Politker_innen, die sich für Geflüchtete einsetz(t)en, nahmen in den sozialen Medien und auf den Straßen ein bislang nicht bekanntes Ausmaß an. Pegida und AfD gewannen und gewinnen enormen Zulauf.
  • Neben der extremen Rechten und Rechtspopulist_innen zeigt(e) sich auch die viel zitierte Mitte der Gesellschaft als problematischer Akteur im Diskurs um Flucht und Integration. Die Rede von „Flüchtlingskrise", „Integrationsunwilligkeit", „unaufgeklärten Flüchtlingen", von Obergrenzen, deutscher Leitkultur und der „Herrschaft des Unrechts", mit der der bayerische Ministerpräsident Seehofer für große Irritationen sorgte, befeuern in problematischer Weise die gesellschaftlichen Diskurse. Nicht zu Unrecht wird darauf hingewiesen, dass diese Ausgrenzungsrhetorik die Legitimationsgrundlage für rechte und rassistisch motivierte Gewalttäter_innen bildet.
  • Doch auch das zivilgesellschaftliche Gegengewicht zu Rassismus, Ausgrenzung und Gewalt zeigt(e) sich in einer bislang so nicht bekannten Vielfältigkeit und enormen Hilfsbereitschaft. Einzelpersonen, Familien, Anwohner_innen von Unterkünften und Bürgerinitiativen bewiesen und beweisen einen langen Atem in der solidarischen Begleitung der Menschen.

Die genannten Realitäten zeigen eine zunehmende gesellschaftliche Polarisierung auf, die es zu analysieren gilt und die nach angemessenen Reaktionsweisen rufen. Mit unserer Tagung wollen wir uns genau dieser Aufgabe stellen: der Vergegenwärtigung der aktuellen gesellschaftlichen Polarität sowie Ansätzen eines gerechtigkeits- und menschenrechtsorientierten Handelns an den unterschiedlichsten Orten der Gesellschaft (Unterstützer_innengruppen, Offene Jugendarbeit, Schule, Verwaltung, Politik, Medien ...). Wir wollen uns über unsere Erfahrungen austauschen und die eigenen Praxen kritisch reflektieren. Die in unserer Arbeit wahrgenommen Spannungsverhältnisse, nämlich zwischen Analyse und (politischer, pädagogischer, gesamtgesellschaftlicher) Wirksamkeit, zwischen selbstkritischer Auseinandersetzung und Interventionsfähigkeit, zwischen dem Schutz vulnerablen Gruppen (Geflüchtete, Frauen, Kinder) und grundsätzlicher Aufnahmebereitschaft bilden den thematischen Schwerpunkt. Mit dem Arbeitstitel „Laut(er) werden? Welche Konsequenzen ergeben sich aus den aktuellen Migrationsphänomenen für die rassismuskritische Migrationspädagogik, Sozial- und Bildungsarbeit und wie können wir uns mehr Gehör in den Diskursen der globalisierten Gesellschaft verschaffen?" ist bereits angezeigt, dass es bei dieser Tagung um die Reflexion angemessener und zugleich einflussreicher (bildungs)politischer und pädagogischer Ansätze unter Bedingungen der globalisierten Migrationsgesellschaft gehen wird, also um die Frage, wie ein angemessene(re)s pädagogisches und bildungspolitisches Handeln aussehen kann, aber auch wie wir in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung um Flucht, Asyl und Integration eine vernehmbare und konstruktive Stimme zur Artikulation bringen können.

Weitere Informationen zur Tagung, Ablauf und Unterbringung finden Sie im Flyer im Anhang

Anmeldung: Anne Broden, IDA-NRW, e-Mail: info(at)IDA-NRW.de

Anhänge:
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