Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus NRW nimmt Abschied von Alexander Häusler. Wir haben Alex als scharfsinnigen und kritischen Wissenschaftler, überzeugten Antifaschisten, leidenschaftlichen Kämpfer für eine solidarische Gesellschaft, vor allem aber auch als einen zugewandten und lebensfrohen Menschen kennengelernt, der mit seinem ansteckenden Lachen scheinbar Berge versetzen konnte.
Als Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle Rechtsextremismus/Neonazismus (FORENA) an der Hochschule Düsseldorf hat Alex die Mobile Beratung in NRW seit ihrer Gründung im Herbst 2008 begleitet. Wir trafen uns regelmäßig im Rahmen des Landesnetzwerks gegen Rechtsextremismus, bei den Treffen des AK Ruhr und bei zahllosen weiteren Tagungen und Vernetzungen. Vielfach veröffentlichte Alex seine Analysen zur extremen Rechten in NRW in Publikationen der Mobilen Beratung und trat als geschätzter Referent bei von uns organisierten Veranstaltungen auf. Umgekehrt war Alex immer die Perspektive der Mobilen Beratung wichtig, die er in seine wissenschaftliche Beschäftigung etwa mit der extrem rechten „Bürgerbewegung Pro NRW“, den neonazistischen Autonomen Nationalisten und der 2013 gegründeten AfD miteinbezog.
In all den Jahren konnten wir uns auf Alex als solidarischen Verbündeten der Mobilen Beratung verlassen. Mit seiner ganzen fachlichen Expertise setzte er sich für die Verstetigung und den Ausbau nicht nur der Mobilen Beratung, sondern auch der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt sowie der zivilgesellschaftlichen Ausstiegs- und Distanzierungsberatung NinA NRW ein.
Gleichwohl war seine Unterstützung nicht voraussetzungslos. Als die Mobile Beratung 2008 ihre Arbeit aufnahm, richtete Alex zahlreiche kritische Fragen an uns, die sich besonders auf die inhaltlichen Grundpositionen, die fachlichen Standards und die institutionelle Unabhängigkeit unserer Strukturen bezogen. Für Alex war klar, dass der Ansatz Mobiler Beratung konsequent an zivilgesellschaftlichen Perspektiven orientiert sein müsse und nicht ´den staatlichen, zumal sicherheitsbehördlichen Logiken folgen dürfe.
Großen Wert legte Alex zudem auf begriffliche Präzision in der kritischen Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Erscheinungsformen und Ausprägungen der extremen Rechten, die er von uns einforderte, von der er aber auch selbst nie abwich, egal ob er einen wissenschaftlichen Text verfasste, im Rahmen einer Podiumsdiskussion die Positionen der AfD sezierte oder spät abends im Gemeinschaftsraum eines Tagungshotels in einer lockeren Gesprächsrunde den Racket-Begriff Max Horkheimers erläuterte. Auf diese Weise hat Alex zweifellos dazu beigetragen, das Selbstverständnis und das Profil der Mobilen Beratung zu schärfen.
Gleichzeitig war er immer auch offen für Perspektiven und anregende Thesen anderer. Mehr noch: Hatte er beispielsweise einen Text in einer Veröffentlichung der Mobilen Beratung gelesen, der ihm gefiel, konnte es vorkommen, dass er zum Telefonhörer griff, um sein Feedback den jeweiligen Autor*innen umgehend mitzuteilen: „Hey Compañero, Hey Compañera, super Text!“
Bei aller analytischen Schärfe und sprachlichen Präzision war es nicht zuletzt seine mitreißende Art zu sprechen, mit der er seine Zuhörer*innen bei Vorträgen oder Podiumsdiskussionen für sich und seine Positionen einnahm. Vielen zivilgesellschaftlich Engagierten ist er dadurch in Erinnerung geblieben. „Ich hab da mal so einen munteren Referenten aus Düsseldorf gehört. Den würden wir gerne mal einladen. Kennen Sie den?“ lautete dann die Frage, die etwa Aktive eines Bündnisses oder einer Initiative gegen Rechts an uns richteten. Der „muntere Referent aus Düsseldorf“ war unschwer als Alex Häusler zu identifizieren und so konnten wir den gewünschten Kontakt vermitteln.
Und obgleich er aufgrund seiner profunden Expertisen zur extremen Rechten im Laufe der Jahre zunehmend zu einem von den Medien und in der wissenschaftlichen Community bundesweit geschätzten Gesprächspartner avancierte, hat Alex die Vortragsanfragen von zivilgesellschaftlichen und antifaschistischen Initiativen immer ernst genommen. Es war ihm wichtig, sein Wissen weiterzugeben und für das praktische Engagement vor Ort nutzbar zu machen. Dieser Anspruch führte ihn auf bisweilen unkonventionellen Wegen in die entlegensten Winkel Nordrhein-Westfalens und darüber hinaus. Wenn es erforderlich war, stieg Alex auf sein Rennrad und erschien im farbenfrohen Radtrikot zur Veranstaltung.
Nun hat Alex uns verlassen. In Zeiten der Normalisierung autoritär-rechter und völkischer Positionen braucht es Menschen wie ihn mehr denn je. Alex wird uns fehlen, als kluger und belesener Ratgeber, als solidarischer Verbündeter und als aufmunternder Freund.




